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Thema: Ist das noch normal?

Eröffnet am 05.01.2016 um 2:23

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Hallo,

also ich bin Nick und bin 13 Jahre alt. Mir ist was aufgefallen.

Ich habe Zeiten, da befriedige ich mich mehrmals täglich selbst. Dann gibt es wieder Zeiten, in denen ich Wochenlang überhaupt keine Lust drauf habe.

Außerdem komme ich mir da immer irgendwie schmutzig vor, wenn ich das mache. Ich würde schon sagen, dass man das "Schuldgefühl" nennen kann. Aber, wenn ich Lust dazu bekomme, dann kann ich das auch nicht lassen. Das ist dann ein richtiges Bedürfnis. Ich glaube ja, dass ich das hauptsächlich mache, um Stress zu kompensieren. Immer, wenn ich sehr stark unter Anspannung stehe, dann bekomme ich das Bedürfnis zur Selbstbefriedigung.

Und danach fühle ich mich dann besser. Entspannter. Wenn eine richtig krasse Zeit ist, dann mache ich es sehr sehr oft. Wenn alles ruhig ist, dann flacht es wieder voll ab.

Wie ist das so bei euch?

Gruß, Nick

Hallo Nick,

ich bin Christian vom Team von B4K. Ich finde es toll, dass Du Dich mit Deinen Fragen und Bedenken hier an uns wendest.

Du stellst fest, dass Du Phasen hast, in denen Du Dich viel selbst befriedigst, und dann wieder Phasen, in denen Du gut darauf verzichten kannst, ja sogar gar keine Lust darauf hast. Nick, das ist absolut normal. Es gibt keinen "Durchschnittswert", wie oft man sich so befriedigen will und soll. Und bei vielen ist es ganz genau so, wie Du es beschreibst: mal tagelang nichts, und dann wieder am laufenden Band.

Du meinst, das könne mit Stress zusammenhängen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es wird nicht immer so sein, dass viel Stress viel Selbstbefriedigung bedeutet. Manchmal kann der Stress auch einfach zuviel sein, so dass man keine Zeit mehr hat, an was anderes zu denken. Und wenig Stress gleich wenig Selbstbefriedigung, das stimmt auch nicht immer. Es gibt definitiv so etwas wie Selbstbefriedigung aus Langeweile. Kennst Du das nicht?

Der wichtigste Teil von Deinem Post scheint mir der zu sein, wo Du von Schuldgefühlen sprichst, und dass Du Dir schmutzig vorkommst. Dieser Teil ist mir so wichtig, dass ich darüber einen ganzen kleinen Aufsatz schreiben werde 😉 Ich kenne Dich leider nicht genauer und kann daher meine Worte nicht auf Dich abstellen. Aber da Du überhaupt von solchen Gefühlen sprichst, unterstelle ich mal, dass Du das, was ich im folgenden schreibe, schon verstehen kannst. Wenn ich doch etwas zu umständlich formuliert habe, so zögere nicht, nachzufragen, was Du nicht verstanden hast. Und natürlich interessiert mich, was Du davon hältst.

Aber zuerst einmal möchte ich Dich loben: Nick, Du hast eine ganz besondere Gabe. Wenige Jungen in Deinem Alter haben die Sensibilität, die Du mit diesen Zeilen zeigst. Gratuliere. Es klingt sicher zuerst einmal komisch, aber weiter unten wirst Du schon lesen, warum ich das toll finde, dass Du diese Gefühle von Schuld und Schmutz hast.

Es ist kein einfaches Thema, und es wird viel zu selten behandelt. Der "Aufsatz", den ich hier schreibe, ist daher auch nicht "leicht verdaulich". Nimm Dir Zeit, ihn zu lesen.

Lass mich zunächst einmal an Stelle des Wortes "Schuld" das Wort "Scham" stellen. Scham ist zunächst mal (wie Schuld) auch etwas, was einen überkommt, wenn man etwas falsch gemacht hat, oder (und das wäre bei Scham anders als bei Schuld) wenn man sich seiner Unzulänglichkeit bewusst wird. So wird man sich schämen, wenn man beim Lügen ertappt wird.

Warum aber um des Himmels Willen schämt man sich dann, wenn man nackt ist? Am nackten Körper ist nichts Falsches: den hat man so bekommen, wie er ist, und da ist man nicht "schuld" dran. Warum sollte man sich dann dafür schämen? Und unzulänglich? Nackte Menschen sind etwas sehr Schönes, sonst hätten nicht Künstler aller Zeiten nackte Menschen gemalt oder in Marmor gehauen.

Und doch ist es gut, wenn man sich schämt, wenn man nackt ist. Sicher, aus praktischen Gründen wird man das im Laufe seines Lebens hie und da "verlernen", so zum Beispiel, wenn man nach dem Fußballspiel mit den Mitspielern unter die Dusche geht, oder wenn man zum Urlaub an einen FKK-Strand fährt, oder wenn man zum Arzt geht. Dem einen fällt es leichter, sich zu überwinden, dem anderen schwerer, aber: gut ist es, dass da grundsätzlich erst einmal eine Scham ist (die man überwinden lernen kann, wenn es denn sein muss). Diejenigen, die kein bisschen von dieser Scham haben, die da erst gar nichts überwinden müssen, die nennt man unverschämt.

Der Mensch ist schön. Und doch ist er auch unzulänglich. Das wird deutlich, wenn wir uns schämen, wenn wir nackt sind. Der Mensch ist unzulänglich, weil er alleine nichts ist. Er ist immer nur etwas im Bezug auf andere. Lass es mich mit der Bibel sagen: da sagt der Herr an einer Stelle "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei." Der Mensch ist schön, aber solange er alleine ist, fehlt ihm etwas.

Und so ist es gut, dass wir uns schämen, wenn wir nackt sind (obwohl wir nichts falsch gemacht haben... deshalb trifft es Scham auch besser als Schuld). Und so ist es gut, wenn wir uns schämen, wenn wir uns selbst befriedigen. Überhaupt spielt Scham immer eine Rolle, wenn wir Sex machen, ob mit uns alleine oder mit jemand anderem.

Das ist jetzt harter Tobak. Soll Sex denn immer "verschämt" geschehen? Soll man sich beim Sex immer schmutzig fühlen?

Die Auflösung dieses Problems, die Du hoffentlich eines Tages erfahren wirst, heißt Liebe. Aber zunächst einmal zu lieblosem Sex. Den gibt es oft genug. Dazu muss man nicht nur an Prostitution denken. Es ist sehr traurig, aber auch in vielen Partnerschaften ist der Sex lieblos. So machen manche Menschen Sex mit ihrem Partner als eine Art fortgesetzter Selbstbefriedigung, sozusagen als "Zweckgemeinschaft": mir tut's gut und dir tut's gut. "Schatz, ich hatte heute so einen Stress im Büro... lass uns ins Bett gehen." Das hat nichts mit Liebe zu tun. Dabei geht es jedem der beiden nur um sich selbst.

In echter Liebe, in der zwei Menschen sich gegenseitig annehmen, wie sie sind, wo beide Partner jeweils das Glück und Wohlergehen des anderen im Sinne haben, da ist es anders. Da erfährst Du dann auf einmal, dass das, was Dir selbst so unvollkommen, unschön, unvollendet an Dir vorkommt, in den Augen des anderen wunderschön ist, vollkommen, und vollendet. Das gilt dann natürlich auch umgekehrt für die Eigenschaften Deines Partners in Deinen Augen. Das hat nichts zu tun mit "Liebe macht blind", dass man die Fehler des Partners nicht sieht. Es geht darum, den anderen anzunehmen, wie er/sie ist, mit seinen Fehlern, und ihn "zu lieben wie sich selbst". Und dann wirst Du alle Scham verlieren, und Ihr werdet Euch lieben, ohne Schuld, ohne Scham, ohne Schmutz.

Das war jetzt ein hoffnungsfroher Ausblick in die Zukunft. Was aber kannst Du in der Gegenwart machen? Du hast keinen Partner, mit dem zusammen Ihr Sex in Verbindung mit dieser einander annehmenden Liebe haben könnt. Nun ist aber Dein Körper ganz darauf vorbereitet, dass das einmal kommen wird, und daher meldet sich immer wieder phasenweise diese Lust, sich selbst zu befriedigen. Das ist absolut in Ordnung, und keiner wird von Dir erwarten, dass Du das dann lässt und damit wartest, bis jemand da ist, den Du voll und ganz lieben kannst. Es ist in Ordnung, wenn Du Dich selbst befriedigst.

Aber es ist absolut sensibel, wenn Du Dir bei der Selbstbefriedigung das Gefühl behältst, dass das unvollkommen ist. Bewahre Dir dieses Gefühl. Es wird Dich antreiben, die Vollendung zu suchen, die Du nur in einem anderen finden kannst.

Also etwas scherzhaft formuliert: Mach weiter so, und schäm dich was!

Habe ich Dir etwas helfen können? Kannst Du mit diesem "Aufsatz" etwas anfangen? Ich bin gespannt darauf, was Du dazu zu sagen hast.

Herzliche Grüße
Christian

hey
ich bin weder ein Junge, noch befriedige ich mich und ich habe das thema auch nich gestartet

aber der "aufsatz" ist echt super B-) :thumbsup:
[i]hast du wunderschön geschrieben[/i]
LG Bju

@bjuooo: Danke für die Blumen 🙂

Hey Nick,

hat's Dir die Sprache verschlagen? War der Text doch zu heavy? Oder bist Du einfach nicht jeden Tag online? Das wäre ja auch nicht das Verkehrteste. Aber wenn mein Text daran schuld ist, dass Du Dich am 5.1. hier mit zwei Fragen gemeldet hast und seither nicht mehr von Dir hören lässt, täte mir das leid.

Ich würde mich jedenfalls freuen, von Dir zu hören!

Herzliche Grüße
Christian