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Thema: Wie kann ich helfen? Wie geht man mit jemandem um der sich ritzt?
Hallo,
[font='Arial, Helvetica, sans-serif']Ich schreibe nicht aus dem Grund das ich mir selbst helfen will, sondern das ich überhaupt nicht weiter weiß wie ich jemandem helfen soll den ich liebe, der dringend Hilfe braucht. Ich habe mir ein Paar Artikel auf dieser Seite durchgelesen und möchte deswegen auch nach ein paar Ideen bitten um zu helfen. [/font]
Also; Mein 13 Jähriger Bruder hat vor etwa einem Jahr angefangen sich nach dem Essen zu übergeben. Er ist ziemlich übergewichtig und leidet extrem unter seinem Gewicht. Er hat oft probiert Sport zu machen und weniger zu essen doch irgendwie änderte sich nichts. Da unsere Familie nicht wusste wie schlecht es ihm eigentlich geht haben wir alle oft ein Paar Sprüche abgelassen die dem kleinen wahrscheinlich ziemlich geschadet haben. Er hat angefangen mit einem Mädchen befreundet zu sein das selbst mal Magersüchtig war, doch geheilt wurde. Mittlerweile treffen sich die beiden so gut wie jeden Tag und sind zudem auch noch in einer Klasse. Meine Mutter & ich haben Angst das er durch sie auf solche Ideen kommt. Als meine Mutter angefangen hat zu bemerken das er sich absichtlich übergibt, wurde alles noch schlimmer. Die beiden hatten plötzlich keinen guten Zugang auf einander und mein Bruder hat noch mehr gelitten. Durch die Streiterein ging es ihm schlechter und zu der Bolemie kam dann auf einmal das Ritzen dazu. Bis vor kurzem wusste ich nichts über all das, doch seid ich bescheid weiß mache ich mir unglaubliche Sorgen um ihn. Schuldgefühle habe ich auch, weil ich ins Ausland gegangen bin um die Schule zu beenden und das Gefühl habe ihn im Stich gelassen zu haben. Die Wunden waren so schrecklich das ich in Tränen ausgebrochen bin und er auch noch das Gefühl hatte das er mich verletzt was garnicht mein Ziel war.
Wir haben unseren Papa vor etwa 11 Jahren verloren, und mein Bruder hatte nie wirklich männliche Vorbilder sondern hat immer nur uns als Vorbilder gehabt. Somit leidet er sehr darunter das ich nicht mehr bei meiner Familie lebe. Ich versuche so oft es geht mit ihm zu reden, ihm zuneigung zu schenken doch irgendwie bringt es alles nichts.
Er ist schon unter Betreuung einer Psychologin, bei der er meint das sie ihm hilft doch irgendwie sehe ich keine Besserung. Als ich ihn zum Beispiel heute gefragt habe ob er sich seid seinem letzten Besuch bei mir noch einmal geritzt hat, hat er mit ja geantwortet. Es bricht mir mein Herz und ich weiß nicht weiter. Ich würde ihm so gerne helfen doch ich weiß nicht wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Unsere Mutter ist auch völlig am verzweifeln, denn der kleine ist der Meinung das der neue Freund unserer Mutter auch teilweise an all dem Schuld ist obwohl der eigentlich nichts macht.
Ich würde mich wirklich über ein paar gute Umgangstipps und Ideen zur Hilfe freuen.
LG
Huhu
ich gehöre nich zum Team, würde dir aber trotzdem gerne helfen
Zum Übergewicht deines Bruders:
Ich selbst habe das Problem, dass ich höchstwahrscheinlich eine Schilddrüsenunterfunktion habe...
Mögliche Symptome wären: [color=#666666]Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Gewichtszunahme und erhöhte Blutfettwerte[/color]
[color=#666666]Das Problem liegt darin, dass das Abnehmen fast gar nicht möglich ist.. bzw. schon unnormal schwer.. so hab ich zumindest die Erfahrung gehabt..[/color]
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[color=#666666]Dass er sich übergibt könnte auch ein Anzeichen dafür sein, dass er einen gewissen Hass gegen seinen Körper entwickelt hat (auch das habe ich selbst schon getan/mach ich immer noch). Es könnte sein, dass es ihm in der Schule nicht leicht gemacht wird.. oft ist es so, dass, wenn man nicht der Norm entspricht, man öfters gehänselt bzw. gemobbt wird.. und Mobbing ist etwas, das kann zerstören.. Hat er da mal irgendwelche Andeutungen zu gemacht?[/color]
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[color=#666666]Ritzen ist meist ein Hilferuf, der aber nur selten gehört wird... das schlimmste, was ein Aussenstehender machen kann, ist dann irgendwie krampfhaft was dran ändern zu wollen... Er darf nicht das Gefühl bekommen, dass es dich irgendwie enttäuscht, wenn er das tut...[/color]
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[color=#666666]Wie lange ist er schon bei der Psychologin?
Wenn es noch nicht lange ist, dann kann man keine Besserung erwarten.. Es geht nicht mit 2-3 Gesprächen vorbei, das dauert. Bei dem einen länger, bei dem Anderen kürzer... Ich denke auch, dass das Ritzen weggehen wird, wenn der Auslöser verarbeitet ist..[/color]
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[color=#666666]Konkret machen, kannst du nichts.. sei da für ihn.. wenn er es zulässt, dann nimm ihn auch mal in den Arm, das kann echt gut tun, auch als Junge braucht man das.. [/color]
[color=#666666]Er ist nicht krank, er hat nur Probleme.. und er braucht jetzt einen Ort, wo er sich "sicher" fühlt.. zu dem er Vertrauen hat.. das kann bei dir sein, oder auch bei der Psychologin...oder wo ganz anders..[/color]
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[color=#666666]Ich freu mich auf eine Antwort 🙂
Sophie[/color]
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Hallo,
tut mir leid das ich erst jetzt antworte. Ich war eine Woche nicht zuhause und habe mir deine nette Antwort erst gerade eben durch gelesen. Danke dafür schon mal!
Also zum Mobbing hat er mir gegenüber nichts erwähnt was die Schule angeht, Soweit ich weiß hat er Freunde und verstehen sie gut mit den Mitschülern. Doch als er sich angefangen hat zu ritzen, haben manche es gesehen und deswegen angefangen Gerüchte über ihn zu verbreiten. Ich denke das hat ihm sehr weh getan.
Ich glaube das ich ziemlich schlecht reagiert habe wo ich das alles erfahren habe weil ich es einfach nicht habe kommen sehen. Ich war irgendwo sogar wütend auf mich selbst weil ich das Gefühl hatte nicht genug für ihn da gewesen zu sein. Ich dachte eigentlich im Gegenteil das es gut wäre wenn er weiß wie sehr er uns mit dem Ritzen schadet?! Habe eigentlich gehofft das es ein Fortschritt wäre als er gesagt hat das er das Gefühl hat mir damit ebenfalls etwas anzutun 🙁
Er ist seid etwa 2 Monaten bei der Psychologin und findet das sie ihm hilft. Dennoch hat er sich auch nach ihr weiterhin geritzt. Das lässt mich verzweifeln und ich mache mir Sorgen das sie ihm nur noch mehr schadet. Ich habe irgendwie einfach kein Vertrauen mehr in ihn und habe das Gefühl ihn nicht mehr ernst nehmen zu können weil ich nicht verstehen kann wieso er sich selber so etwas an tut.
Freue mich auf deine Antwort!
Huhu
es tut immer weh, wenn man aus anderen Mündern hört, dass man krank sei. Ich denke schon, dass es ihn verletzt hat, dass seine Mitschüler/Freunde über ihn und seine "Krankheit" (ich beschreib es ungern als Krankheit, obwohl es eigentlich eine ist, sie sich für mich aber schon ziemlich krass anhört) reden..
Du bist in dem Fall, auch, wenn es dein Bruder ist, außenstehend.
Da du, denke ich, nie etwas in der Richtung selbst gemacht hast, ist es ganz normal, dass du ihn nicht verstehen/ihm helfen kannst..
Da darfst du dir keine Schuld geben.
Das Problem ist nur, wenn er hört, dass du es schlecht findest, denkt er, dass er dich enttäuscht. Und das macht die Situation für ihn leider nicht leichter.
Dass mit der Therapie ist ganz normal.
Sowas nennt sich, wie mir vor einiger Zeit hier erklärt wurde, Erstverschlechterung.
In dieser Zeit sieht man nur wenig Sinn in der Hilfe bzw. schafft es noch nicht Tipps umzusetzen.
Es wird nicht von jetzt auf gleich weggehen, so sehr du es dir auch wünschst.
Niemand ritzt sich ohne Grund. Und bevor der Grund nicht beseitigt ist, wird sich auch die Reaktion (das Ritzen) nicht verringern/auflösen.
Dass musst du dir so vorstellen:
Du willst ins Haus, aber der Weg durch den Garten ist total verwuchert durch Dornen und Haufen von Geröll und Schrott.. Würdest du da durchgehen? Wenn du da durchgehst, wirst du dich verletzen.. und wenn du wieder raus aus dem Haus willst, in dem Du dich wieder erholt hast, wirst du wieder dadurch müssen und dich wieder verletzen.
Räumst du aber das Geröll und all das, was dort noch so rumliegt, weg, dann kannst du unbeschwert dort entlanglaufen. Das dauert vielleicht Zeit, aber dann wird einiges leichter für dich.
Um das mal an die Situation deines Bruders anzupassen:
Er hat die Möglichkeit, dass er innerhalb von kürzester Zeit das Ritzen bleiben lässt, wird auch ein Weilchen glücklich sein.. aber sobald wieder irgendeine Erinnerung an den wahren Grund des Ritzens kommt, wird er mit relativ großer Wahrscheinlichkeit wieder Rückfällig.
Seine 2. Möglichkeit wäre, dass er sich mit dem Thema auseinander setzt und nach dem Grund sucht und damit abschließt. Dass ist der Weg, der länger dauert, aber effektiver wirkt. Irgendwann wird ihn der Grund nicht mehr so verletzen, dass er zu solchen Mitteln greift.
Ich hoffe du verstehst, wie ich das meine 🙂
Sophie
Hallo liveahappylife!
Schön dass du den Weg zu uns gefunden hast! Sophie konnte dir ja schon gute Tipps geben und dir erklären, wieso jemand das Ritzen nicht sofort wieder sein lassen kann und wie du dich deinem Bruder gegenüber verhalten solltest.
Nun ist es so, dass wir eine Beratungsseite für Kinder und Jugendliche sind und eigentlich nur Beratung anbieten bis zum 21. Lebensjahr. Trotzdem möchte ich dich nicht ohne Hilfe stehen lassen da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass dich die Situation belastet und du dir große Sorgen machst!
Dein Bruder macht eine schwere Zeit durch und das wirkt sich auch auf dich und den Rest eurer Familie aus. Was nun genau die Ursachen dafür sind dass er mit sich selbst und seinem Leben gerade nicht so gut zurecht kommt, kann er am Besten gemeinsam mit seiner Therapeutin herausfinden. Auch wenn du erstmal keine Besserung erkennen kannst, so versuche trotzdem ihn zu motivieren und ihn zu unterstützen - eine Therapie ist im Moment das Beste was ihm passieren konnte und du kannst ihm wirklich glauben wenn er sagt, dass es ihm hilft! Dinge zu verändern schafft man nicht innerhalb von ein paar Tagen, manchmal braucht es Jahre bis man das, was einem zu schaffen macht, wirklich verarbeitet hat und sich wieder wohl fühlen kann. Akzeptiere ihn so, wie er ist, sei für ihn da, unternimm ab und zu mal was mit ihm, frage ihn wie es ihm geht, hör ihm einfach zu wenn er jemanden zum reden braucht. Ihn zu drängen oder ihm Schuldgefühle zu machen wäre wirklich eine schlechte Idee - es setzt ihn weiter unter Druck und verstärkt die negative Sicht die er von sich selbst zu haben scheint. Wenn jemand die ganze Zeit denkt: "Ich kriege es nicht hin abzunehmen, ich bin hässlich, ich kann nichts!" und dann sagt man zu ihm: "Was du tust finde ich schlimm, lass es sein, es verletzt mich!" - kannst du dir vorstellen, was dann passiert? Derjenige wird denken: "Oh man, schon wieder mache ich etwas falsch, ich enttäusche alle, sogar die Menschen die mich lieben, ich bin nichts wert!" Schuldgefühle verstärken die Spirale abwärts, in der sich dein Bruder gerade befindet. Besser wäre ihm zu sagen, dass du stolz auf ihn bist, dass er das alles super macht, dass du es gut findest dass er versucht in einer Therapie etwas zu verändern, dass du für ihn da bist egal was passiert und ihn immer liebst, egal was er tut! Damit gibst du ihm Zuversicht und das Gefühl, es schaffen zu können, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Gib ihm die Zeit die er braucht, um sich wieder zu fangen - er muss das alleine schaffen dürfen und in seinem eigenen Tempo!
Wenn du gern Tipps und Hilfe von Angehörigen betroffener Kinder und Jugendlicher haben möchtest, dann schau einfach mal auf [entfernt] - dort bekommst du ganz praktische Anregungen und kannst dich mit Eltern oder Geschwistern austauschen. Ich denke, dass das in deiner Situation vielleicht eher hilfreich wäre als unser Angebot hier!
Liebe Grüße,
Veronika
