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Thema: Mangel an Motivation
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Hey Unloved-Lady,
die Woche ist ja nun rum.. wie hast du dich entschieden?
Ich kann dir natürlich grundsätzlich keine Lösungen vorgeben. Wenn es mal wieder dazu kommt, kannst du dich ja mal einen Abend hinsetzen und darüber nachdenken, was dafür und was dagegen spricht. Du kannst es dir auch gerne aufschreiben, um zu sehen, welche Seite überwiegt.
Weil trauen zum Prozess des Darüberhinwegkommens gehört. Ohne sich seiner Trauer zu stellen, kann man sie nicht bezwingen. Andernfalls staut sie sich an und rutscht unverarbeitet in dein Unterbewusstsein.
Du hast geschrieben, dass du etwas brauchst, das dich beschäftigt. Was hilft die bisher?
Ich muss mich für die Zulunft an dieser Stelle schon einmal bei dir entschuldigen. Ich habe derzeit leider sehr viel um die Ohren, aber gebe mein bestes, mich dennoch bei dir zu melden.
Liebe Grüße und ganz viel Kraft
Julja
Hallo Julja,
ich habe mich dazu entschieden erst eine Woche später zu schreiben.
Ich habe auch meine Bewerbung vergessen, für die Polizei, jetzt ist es zu spät. Aber ich glaube, ein Jahr Pause von allem schadet mir nicht. Urlaub, arbeiten und Geld sparen.
Die Trauer tut weh. Zu sehr weh. Ich darf mich nicht mehr schneiden, aber Alkohol hilft auch nicht. - Oder ich hab einfach nicht genug getrunken. Ich habe nichts davon gespürt. War letzte Nacht immer noch nüchtern.
Ich weiß nicht, was mir bisher hilft...
Liebe Grüße
Unloved-lady
Hallo Unloved-Lady,
das ist völlig in Ordnung. Viele legen ein Jahr Pause ein nach ihrem Abi. Die Ausbildung rennt dir nicht davon. Nimm dir in der Zeit mehr Zeit für dich und erhol dich ordentlich bevor du dich in etwas Neues stürzt!
Dir werden derartige Dinge auch nicht helfen. Symptome zu behandeln ohne auf die Ursache zu achten, bringt keinen weiter. Du musst lernen mit dem Verlust umzugehen und nicht mit versuchen, dich zu betäuben. Der Schmerz geht nicht von alleine weg währenddessen.
Wie bist du mit anderen Verlusten bisher umgegangen? Sicher hast du auch schon andere Menschen verloren, wenn auch nicht unbedingt weil sie verstorben sind.
Liebe Grüße
Julja
Hallo Julja,
ich weiß, dass mir solche Dinge auf Dauer nicht helfen.. Ich will das auch nicht. Aber so einfach damit aufhören, kann ich auch nicht, zumindest nicht mit dem Selbstverletzen. Ich versuchs ja, aber leider gibt es dazu keinen Ausschaltknopf den ich drücken kann.. Alkohol, ok.. Das war jetzt mal ein Ausrutscher. Ne dumme Idee, das geb ich zu. Das nächste Mal werde ich in Maßen trinken, so wie sonst auch.
Mein Papa ist der Erste, der verstorben ist, bei dem ich das so Bewusst mitbekommen habe.. Oma und Opa Engel sind gestorben, da war ich so alt wie meine kleine Schwester heute. Sieben. Ansonsten, habe ich das einfach hingenommen. Ich finde aber auch, dass du das nicht vergleichen kannst.. Wenn jemand so geht, dann ist ja trotzdem noch da, du hättest immer noch die Chance ihn wieder zu sehen. Wenn jemand stirbt, dann geht das nicht mehr. Er ist weg, für immer. Ich weiß nicht, ob du dir Vorstellen kannst, wie das ist, den Vater zu verlieren. Vorallem dann, wenn es noch viel zu klären gäbe. Ich weiß nicht, ob das jetzt besser wird, jetzt nachdem er heute beerdigt wurde.. Die größte Last, die Organisation der Beerdigung, liegt nicht mehr auf meinen Schultern.. Ich muss jetzt "nur" schauen, dass alles bezahlt wird..
Mit den Blumen, habe ich heute angefangen...
Liebe Grüße
Unloved-lady
Ich bekomme gerade mit, was wir alles in Deutsch machen müssen... Ich schaffe das nie im Leben bis Dienstag. Allein das Buch zu lesen. In dem Buch erinnert mich zu viel an meinen Papa bzw ich werde zu oft an ihn erinnert und dann kann ich mich schon gar nicht mehr konzentrieren. Wie soll ich die HÜ darüber schreiben, wenn wir eine schreiben? Dann noch lernen für die anderen Fächer? Das überfordert mich gerade total.
Guten Abend Unloved-Lady,
Ich kann mir vorstellen, dass es dir in dieser Zeit nun schwerer fällt als sowieso schon. Wie groß war der Drang vor deinem Verlust? Vergleichbar, größer, kleiner?
Natürlich ist das nicht ganz vergleichbar, aber ich habe dennoch gefragt, weil ich natürlich nicht weiß, wie nahe du deinem Vater standest. Manchmal kann der Verlust einer Freundin größer für einen sein, als der eines Vater, der einem weniger nahe stand.
Es ist natürlich gut, dass du bisher keine Sterbefälle miterlebt hast, die du hast aktiv verarbeiten müssen, allerdings fehlen dir jetzt dadurch Bewältigungsstrategien, die du erst einmal entwickeln musst. Vorangegangene Verluste hätten dich auf diesen dennoch nicht vorbereiten können, aber du hättest auf Strategien zurückgreifen und ggf. abwandeln können.
Wie alles andere ist Trauerbewältigung ein individueller Prozess, es gibt dennoch ein paar Anhaltspunkte, die für jeden funktionieren können. Vielleicht sind dir die 4 Stadien der Trauerbewältigung ja schon bekannt:
1. Leugnen und es nicht wahr haben wollen: Du befindest dich in einer Art Trance, bist wie betäubt von dem Vorfall und zu tiefst schockiert
2. Aufbrechende Gefühle: Großes Gefühlschoas mit sehr intensiven Emotionen. Das ist das ganz große schwarze Loch, in das du fällst und aus dem es rauszukommen gilt. Das ist die schwierigste und schmerzhafteste Phase.
3. Neuorientierung: Du kommst langsam aus deinem Loch heraus, auch Freude schleicht sich wieder leicht in dein Leben. Dein gewöhnlicher Rhythmus ist aber noch nicht wieder hergestellt und auch deine Stimmung ist noch instabil.
4. Neues Gleichgewicht: Die Vergangenheit schmerzt immer noch, doch das Leben scheint weiterzugehen und man fasst wieder etwas Vertrauen in die Zukunft. Alltagsaufgaben gelingen wieder und es können neue Ziele gesetzt werden.
Wo ordnest du dich ein?
Du hast geschrieben, dass es viel für dich zu klären gegeben hätte. Ist es das, was dich am meisten beschäftigt?
Hast du in der Schule eine Vertrauenslehrerin oder -lehrer? Oder gibt es darüber hinaus eine Lehrperson, der du dich aus freien Stücken anvertrauen könntest? Wäre es eine Option für dich zum Beispiel mit deiner Klassenlehrerin (oder -lehrer) zu sprechen? Selbstverständlich ist es etwas sehr Persönliches, worum es geht, aber du brauchst Unterstützung und solltest dich nicht davor scheuen, dir welche zu holen. Du bist nicht gezwungen alleine damit fertig zu werden.
Liebe Grüße
Julja
Hi Julja,
bevor Papa gestorben ist, war der Drang nach dem SV kleiner. Im Moment ist er auch wieder da, aber ich will es nicht schon wieder tun..
Gestern war ein ganz schlimmer Tag, zuerst hatte ich mega die Magenschmerzen und dann bin ich wieder in dieses schwarze Loch, von dem du gesagt hast, gefallen.. Ich habe wieder viel geweint und viel an ihn gedacht. Auch heute wieder. Die Schmerzen sind wieder da und ich muss wieder an ihn denken...
Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass ich mich im zweiten Stadium befinde.. Manchmal auch schon zwischen zwei und drei. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, dann gehts mir gut. Ich kann lachen und Spaß haben. Fast so wie früher. Aber sobald ich alleine bin geht das nicht. Ich bin heute wieder zu Hause, nicht in die Schule. Ich schaffe es zu Hause einfach nicht etwas für die Schule zu machen. Normalerweise hätte ich das Buch, das wir lesen sollen in einer Woche locker geschafft.. Ich hab ja das dreifache davon in 2 Tagen schon geschafft... Ich habe aber nicht mal die Hälfte. Jeder zweite Satzt erinnert mich an meinen Vater. Ich hätte heute mit meiner Lehrerin sprechen können.. Auch alleine, sie hat uns Epo Noten gegeben, das macht sie immer vor der Tür...
Vielleicht dann morgen..
Es war eine gute Idee, die Klausur erst nächste Woche nach zu schreiben. Sonst hätte ich die heute geschrieben.
Liebe Grüße
Unloved-lady
Hey Unloved-Lady,
Selbstaufopferung ist nichts, was man romantisieren sollte. Damit macht man es sich nur unnötig schwerer.
Wir können natürlich wieder zurück zum eigentlichen Thema, die ja die fehlende Motivation war. Ich habe dir ja einiges an Ratschlägen mitgegeben und du wolltest sie ausprobieren. Wie läuft's?
Viele Grüße
Julja
Hallo Unloved-Lady,
Ich finde es sehr stark von dir, dass du gegen den Drang ankämpfst!
Wenn du merkst, dass dir alles über den Kopf wächst und du Hilfe benötigst, hol sie dir! Hast du jemanden, mit dem du sprechen kannst?
Liebe Grüße
Julja
Hallo Julja,
bitte verzeih meine späte Antwort...
Stellt sich nur die Frage wie lange ich das noch schaffe..
Ja, im Moment wird mir alles ein bisschen zu viel. Meine Klassenlehrerin hat mich auch angesprochen... Ich habe versucht ihr so wenig wie möglich zu sagen... Sie meinte auch, ich könnte zu unserem Schulsozialarbeiter gehen.... Ich will aber nicht. Es gibt Dinge im Leben, mit denen muss man manchmal alleine zurecht kommen und wenn man das nicht kann, tija, dann ist das eben so. Pech gehabt.
Heute habe ich die Klausur von vor den Ferien nachgeschrieben... Ich habe von den 3h nur 2h gebraucht, habe alles beantwortet, aber ob das richtig war.. keine Ahnung. Letzte Woche habe ich auch ne Klausur und ne HÜ geschrieben... Ich habe für beides vielleicht 15 Minuten was gemacht, aber es lief beides nicht schlecht. Vielleicht habe ich ja wieder Glück und bekomme einigermaßen anständige Noten...
Liebe Grüße
Unloved-lady
