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Thema: Angst

Eröffnet am 01.01.2018 um 17:43

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Hallo Brokengirl,
juhu - ich freue mich mit dir! 😀 Und ich wünsche dir einen ganz tollen und entspannten Abend. |+¥ Du hast diese Auszeit mehr als verdient.

Weißt du, du hast recht. Es hört sich so leicht an - ist es aber nicht. Die Idee oder Vorstellung von etwas klingt immer unbeschwert und einfach, doch es ist die Umsetzung, die Schwierigkeiten bereitet. Siehst du das genauso? Möchtest du mir erzählen, was genau dich verunsichert? Was befürchtest du?

Und ja, ich verstehe sehr gut, dass du Angst davor hast, die falsche Entscheidung zu treffen. Entscheidungen ist jedoch nicht unumkehrbar und endgültig. 😉 Was glaubst du, würde passieren, wenn du eine falsche Entscheidung triffst?

Ich wünsche dir einen tollen Start in die Ferien und freue mich darauf, wieder von dir zu lesen! 🙂
Liebe Grüße,
Daniela

Hallo Daniela,
Deine Frage ist eigentlich recht Leicht zu beantworten. Ich bin manchmal ziemlich kompliziert und ich mache viele Fehler. Ich habe oft Angst etwas falsch zu machen, wegen dem sie mich dann nicht mehr mag. Ich habe Angst sie zu enttäuschen. Ich habe Angst nicht gut genug zu sein. Ich habe einfach Angst davor, dass sie irgendwann sagt, dass ich ihr zu anstrengend bin.
Und ich kann nicht gut über meine Gefühle reden. Schreiben fällt mir da bedeutend leichter .

Wenn ich eine falsche Entscheidung treffen würde, würde ich stark an mir zweifeln und mir viele Vorwürfe machen. Ich habe immer im Kopf, dass es ja eigentlich nicht so schwer sein kann eine richtige Entscheidung zu treffen.

Liebe Grüße Brokengirl

Hallo Brokengirl,
wie geht es dir heute? Konntest du den Abend gestern genießen? |+¥

Ich danke dir für deine Offenheit und dein Vertrauen! Da begleiten dich ja viele Sorgen und Ängste, die ein unbeschwertes Miteinander erschweren. 😕 Ist es schon immer so, dass du dir solche Gedanken im Bezug auf deine Freunde machst oder tauchten sie erst ab einem bestimmten Zeitpunkt auf? Mich würde auch noch interessieren, ob sie bei allen Menschen in deiner Umgebung gleichermaßen auftreten?
Das problematische an diese Gedanken und Ängsten ist, dass sie mit der Zeit immer stärker werden, immer mehr Raum einnehmen und irgendwann eine solche Macht entwickeln können, dass sie das soziale Leben völlig einschränken. Es ist nicht leicht, gegen diese Ängste anzukommen, das verstehe ich gut. Und es gibt auch keinen Schalter, mit dem man die Gedanken heute auf morgen einfach ausknipsen kann (Schön, wenn es so wäre, oder? 😛 ). Doch es gibt etwas, was man tun kann: Neue Erfahrungen sind das, was diese Ängste entkräften können. Doch dazu, und das ist das schwierige, muss man sich seinen Ängsten stellen und neue Erfahrungen zulassen. Es kann auch helfen darüber zu sprechen. Das ist ebenso nicht leicht, ich weiß. Wenn du doch darüber sprechen möchtest, bin ich gerne für dich da. |+¥
Ich kenne deine Freundin nicht, doch ich bin mir sicher, dass sie dich sehr gerne mag und auch gerne für dich da ist und du ihr nicht zu viel oder zu anstrengend bist. Gibt es etwas, womit dir deine Freundin diese Sicherheit geben könnte?

Darf ich fragen, wie genau deine Pläne nach dem Abitur aussehen? Und an welcher Stelle, denkst du, könntest sich einen falsche Entscheidung einschleichen?

Liebe Grüße,
Daniela

Hallo Daniela,
Ich freue mich über deine Nachricht.
Diese Ängste treten eigentlich immer nur dann auf, wenn mir jemand wirklich wichtig ist und ich viel Wert auf seine Meinung lege, bei Menschen denen ich blind vertrauen würde.
Dadurch das ich nicht viele wirklich nah an mich heranlasse oder besser gesagt nur so weit, dass sie mich nicht so ohne weiter stark verletzen können, ist das nicht bei vielen Menschen so.

Wenn es sich ergibt und ich mal alleine oder so in der Stadt bin, in der sie wohnt dann ist es okay, wenn ich mich mit ihr treffe, wobei es für mich immer eine große überwindung ist, weil ich Angst habe, dass sie nein sagen könnte. Aber ich würde es jetzt nicht übers Knie brechen. So preiswert ist es ja auch nicht mit dem Zug zu fahren.
Ich habe mir aber vorgenommen mich nach dem Abi öfter mal mit ihr zu treffen. Vielleicht habe ich bis dahin ja etwas mehr Selbstvertrauen, auch wenn ich das fast schon bezweifle.

Eigentlich hatte ich vor Lehrerin zu werden. Ich glaube aber, dass das bei meinen Noten schwierig werden könnte und ich bin mir da auch nicht mehr wirklich sicher.
Ich würde gerne etwas machen, wo ich mit Menschen zusammen arbeiten kann und wo ich die Chance habe etwas zu bewegen oder zu verändern. Ich würde gerne jeden Tag sagen können, dass ich jemandem etwas gute getan habe oder jemandem geholfen habe.
Ich habe Angst davor, dass ich irgendwann merke, dass ich nicht das richtige mache. Das ich einfach sage, dass ich am Ende überhaupt keinen gefallen an meinem Beruf finde.

Meine Freundin ist übrigens wirklich ein sehr toller Mensch. Sie hat ein sehr großes herz und schafft es so gut wie immer mich irgendwie ein bisschen aufzuheitern oder mir mut zu zusprechen. Sie sieht auch schon total lieb und freundlich aus .

Ich wünsche dir erstmal noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße Brokengirl

Hallo Brokengirl,
die Beschreibung deiner Freundin klingt klasse. Ich bin mir sicher, dass sie ein toller Mensch ist. 🙂

Darf ich fragen, ob genau das schon einmal in deinem Leben passiert ist? Hat dich mal jemand von sich gestoßen, dich abgewiesen oder sich von dir distanziert, den du sehr gerne mochtest und dem du blind vertrautest? Ich weiß, dass das eine sehr sensible Frage ist. Beantworte sie bitte nur, wenn du das möchtest.
Es ist völlig in Ordnung, wenn du im Moment nicht dazu bereit bist, sie zu treffen. Ich möchte dich auch zu nichts drängen. Du hast recht, man sollte nichts über's Knie brechen. 😉

Ich verstehe, dass du dir Sorgen um deinen Notendurchschnitt machst. Und es stimmt, in viele Studiengänge kommt man vorerst nur mit einem bestimmten NC. Doch darüber hinaus gibt es noch verschiedene Möglichkeiten in seinen Wunschstudiengang zu gelangen. Beispielsweise könnte man versuchen über die Warteliste oder das Losverfahren zugelassen zu werden. Ebenso könnte man auch Wartesemester einlegen und während dessen ein FSJ, Praktikum oder ähnliches machen. Die Anzahl der Wartesemester können angerechnet werden und wirken sich positiv auf den NC aus. |+¥
So wie du einen Berufswunsch beschreibst, könnte auch das Studium der Sozialen Arbeit, Childhood Studies oder Erziehungswissenschaften etwas für dich sein. Wenn du möchtest, kannst du dir ja mal die Beschreibungen durchlesen und schauen, ob du dich darin wiederfindest. |+¥

Liebe Brokengirl, eins möchte ich dir noch sagen: Es ist absolut in Ordnung, wenn man während des Studiums merkt, dass der Studiengang doch nicht das richtige ist. Ich weiß, dass das vielleicht schwer zu glauben ist, doch so geht es tatsächlich vielen Studenten. Nicht wenige wechseln innerhalb der ersten Semester aus verschiedensten Gründen den Studiengang oder verlassen die Uni. Das ist eine sehr gute Entscheidung und nichts, wofür man sich schlecht fühlen sollte.

Ich wünsche dir auch einen schönen Abend.
Liebe Grüße,
Daniela

Hallo Daniela,
Ich möchte etwas mit dir teilen, was mir meine Freundin geschrieben hat, nachdem ich ihr gesagt habe, dass ich Ritze. Die Namen werde ich aber rausnehmen.

,,Liebe ...,

wie schon gesagt, danke ich dir für dein Vertrauen. Es kostet sicher sehr viel Mut, sich zu öffnen - daher verdienst du hier schon mal Anerkennung. Du erlebst sehr viel in den letzten Wochen und Monaten. Deine Gefühlswelt steht Kopf und das nicht aufgrund deines Alters und dem damit verbundenen Entwicklungsabschnitt. Wie... bin ich erschüttert über das was du schreibst und traurig, dass du scheinbar keinen anderen Ausweg gesehen hast. Zudem fühle ich mich gerade sehr weit weg und damit auch handlungsunfähig. Aber du weißt, dass du jederzeit schreiben kannst, wenn dir etwas auf der Seele brennt (im wahrsten Sinne des Wortes). Da du weißt, wie es um dein Handeln bestellt ist (das "Ritzen") möchte ich an dieser Stelle nicht weiter richten (wie ein Richter), sondern glaube ich, dir auf einem anderen Weg mehr helfen zu können. Auch wenn man den meisten Menschen nicht glaubt, wenn sie sagen, "ich weiß wie du dich fühlst" oder "ich kenne deine Situation", aber in diesem Falle, weiß ich es. Und das ist gerade jener Moment, in dem auch ich dir Vertrauen entgegen bringen möchte. Ich erkenne vieles von dem was du beschreibst wieder. So war auch ich als junges Mädchen in einer sehr ähnlichen Situation. Meine Eltern haben sich ebenfalls von heute auf morgen getrennt, mein Vater zog aus..und ich hatte es nicht kommen sehen. Damit sind natürlich viele Verletzungen und Unverständnis verbunden. Man wird verlassen und diese Verlustangst begleitet einen tagtäglich. Und natürlich versucht man damit umzugehen, jeder auf seine eigene Weise. Du hast eine gewählt, so wie ich damals (die deiner sehr ähnlich war). Und hier möchte ich meine Erfahrung mit dir teilen: das was du tust, verleiht deinen Gefühlen Ausdruck und ist ein Versuch deinerseits die auftretenden Gefühle durch die Situation zu Hause zu bewältigen. Da du dich nicht nur mir, sondern auch deinen Freunden und.... anvertrauen konntest, ist schon der erste Schritt nach vorne getan. Du versprichst es den Menschen die dich sehr mögen und wertschätzen, es zu unterlassen. Das ehrt dich und auch die anderen, denn es zeigt wie viel wir dir bedeuten. Doch damit, so denke ich, bleibt dein Wunsch und auch der Versuch die jetztige Familiensituation zu bewältigen weiterhin bestehen. Und hier bleibt die Frage: wie können wir dir helfen, dass du mit dieser Situation "gut" leben kannst. Ich habe lange Zeit alles mit mir selbst ausgemacht, bis ich irgendwann gemerkt habe, ich brauche Unterstützung von "außen". Jemanden der objektiv ist und dem ich vorbehaltlos alles erzählen kann, der in der Zeit nur für mich da ist. Vielleicht ahnst du schon, worauf ich hinaus möchte? Sicherlich ist auch dieser Schritt schwer zu gehen, aber ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, dass es hilfreich war einen Psychologen aufzusuchen.
Liebe .... , was wir bedenken müssen (und vielleicht ist das momentan noch schwer zu verstehen) unsere Eltern sich auch Menschen, sie dürfen Fehler machen und auch Gefühle vergehen, es geschehen Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben - also müssen wir lernen damit umzugehen, denn auch solche Situationen machen uns zu den Menschen, die wir sind. Daher hoffe ich inständig, das ich dir Verständnis entgegen bringen konnte. Denn entscheiden musst du am Ende selbst: was du willst, wie du leben willst. Und dabei gilt es nicht zu vergessen: du bist ein sehr wertvoller Mensch, lerne dich selbst wert zu schätzen - denn dich schätzen so viele Menschen um dich herum:...... dein Bruder und auch deine Eltern sowie ich. Behalte dir das stets im Gedächtnis und im Herzen.
Ich hoffe diese Zeilen spenden dir ein bisschen Trost und sorgen für ein wenig Licht in der Dunkelheit.

Alles Liebe,
... "

Das was ich ihr geschrieben habe, habe ich nicht mehr. Ich hatte ihr damals zusammen mit einer anderen Freundin einen Brief geschrieben und das war die Antwort, die ich darauf bekommen habe.

Die Ängste sind denke ich zu der Zeit auch entstanden. Ich hatte und habe teilweise immer noch im Kopf, dass ich nicht normal bin, dass ich anstrengend bin und so weiter. Ich hatte dadruch Angst, dass mich Menschen, die mir wichtig sind nicht mehr mögen, wenn ich noch etwas falsch mache, wenn ich noch mehr von der Norm abweiche.
Ihre besuche hatten damals immer 2 Seiten. Einmal habe ich mich riesig gefreut sie zu sehen, aber auf der anderen Seite hatte ich eine Riesen Angst das sie mich nicht mehr mag, ich ihr nicht mehr gefalle... und das zieht sich bis heute.

Ich denke ich bleibe erstmal dabei und mache ein soziales Jahr. So habe ich noch ein bisschen Luft, bis ich mich endgültig entscheiden soll.

Ich denke das genügt für heute erstmal. Durch die Nachricht meiner Freundin ist es ja doch schon recht lang geworden.
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße Brokengirl

Hallo Brokengirl,
wie geht es dir heute? Seid ihr schon auf dem Weg an die Ostsee? |+¥

Vielen Dank, dass du diese Nachricht mit mir teilst. Ich weiß das sehr zu schätzen.
Die Nachricht deiner Freundin an dich hat mich sehr berührt. Ich finde es so schön, wie viel Verständnis und Einfühlungsvermögen sie dir entgegenbringt und versucht dir mögliche Auswege aufzuzeigen. Toll daran ist, dass sie dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vor dir steht, sondern dir sehr verständnisvoll begegnet und dich sogar an ihren eigenen Erfahrungen teilhaben lässt. Und sie hat recht: Du bist ein wertvoller Mensch, der von vielen geschätzt wird!
In diesem Zusammenhang würde ich gerne erfragen, wie du mit ihrem Vorschlag eine Therapie zu beginnen umgegangen bist? Hast du das für dich in Erwägung gezogen?

Interessant finde ich, was du dann schreibst. Du sprichst davon, dass du Angst hast [i]noch etwas falsch zu machen[/i] und [i]noch mehr von der Norm abzuweichen[/i]. Liebe Brokengirl, was hast du denn falsch gemacht?
Du schreibst, dass du Angst hast, zu viel und zu anstrengend zu sein und deswegen irgendwann von deinen Freunden nicht mehr gemocht und verstoßen zu werden. Ich möchte es deiner Freundin gleich tun und dich an dieser Stelle an meinen eigenen Erfahrungen teilhaben lassen.
Ich selbst kenne diese Ängste, die du hast, ebenfalls sehr gut und habe schon viele Jahre mit ihnen zu kämpfen. Doch was ich gelernt habe, ist, dass meine Freunde nicht mich anstregend finden, sondern eher die Mauer, die mich umgibt. Diese Mauer steht da nicht aus bösem Willen oder weil ich niemanden um mich herum haben möchte. Sie steht schützend vor mir, weil ich solche Angst davor habe verletzt und im schlimmsten Fall verlassen/verstoßen zu werden. Es fällt mir schwer zu glauben, dass ich Vertrauen fassen kann und dieses nicht enttäuscht wird. Meine Freunde sind stets also damit beschäftigt diese Mauer hochzuklettern. Und immer, wenn sie denken, dass sie endlich oben, am höchsten Punkt, angekommen sind und endlich zu mir runter kommen können, setze ich schnell noch ein paar Reihen oben drauf. Manche Freunde sind mit der Zeit müde geworden, manche haben eine Pause gemacht, manche haben aufgegeben und sind die Mauer kopfschüttelnd und verständnislos wieder runtergeklettert und wieder andere haben es vielleicht gar nicht erst probiert. Doch einige von ihnen, meine besten Freunde, wollen nicht aufgeben, sie denken gar nicht erst daran. Sie erkennen meinen Wert und hoffen, dass es sich lohnen wird und sie es irgendwann schaffen werden, die Mauer zu erklimmen. Sie sind gerne dazu bereit die Kraft und Anstrengung aufzuwenden. Sie klettern Stück für Stück höher.
[b]Solche Freunde hast auch du an deiner Seite[/b]. Und ich weiß, wie schwer es ist, nicht schnell noch eine weitere Reihe auf die Mauer oben drauf zu setzen, wenn mal jemand die den höchsten Punkt erreicht. Es ist unglaublich schwierig, jemanden herein zu lassen und Vertrauen zu fassen, demjenigen zu glauben, was er sagt. Und wenn man es doch mal schafft, dann bleibt da immer noch ein kleines bisschen Misstrauen übrig. Aber ich kann dir sagen, dass es sich lohnt zu vertrauen! Weißt du, [b]Freunde sind freiwillig an deiner Seite![/b] Sie haben sich für die Freundschaft, also für dich entschieden! Und zwar nicht [i]obwohl[/i] du so bist wie du bist, sondern [b]weil[/b] du so bist wie du bist.

Ich lasse das jetzt mal so stehen und freue mich darauf, wieder von dir zu lesen.
Liebe Grüße,
Daniela

Hallo Daniela,
Zunächst möchte ich mich dieses mal auch für deine Offenheit bedanken. Das bedeutet mir sehr viel.
Wir sind heute gut angekommen, auch wenn ich ehrlich gesagt total müde bin. Musste schon kurz nach 3 aufstehen, weil wir um 4 losfahren wollten und konnte im Auto dann nicht schlafen.
Ich bin mir noch nicht sicher ob es mir hier gefällt. Sonst sind wir immer auf eine andere Insel gefahren und ich war bis jetzt erst einmal auf dieser Insel, um an einer Veranstaltung teilzunehmen, aber bis jetzt gefällt es mir gut, bis auf das ich mir ein Zimmer mit meinem Bruder teilen muss. Aber ich bin schon mit meinen Füßen im Wasser gewesen und das bei 11 Grad.

Die Nachricht, die ich dir von meiner Freundin geschrieben habe ist jetzt gute 4 Jahre alt. Da war ich noch 13. Ich habe sie dir geschickt, weil meine Beschreibungen meiner Freundin nicht wirklich gerecht werden konnten und ich finde das man in der Nachricht viel über ihre Art erfährt. Ich muss aber auch zugeben, dass mir die Nachricht von ihr sehr viel bedeutet. Dabei muss ich auch gestehen, dass ich sie mir ausgedrückt habe und immer in einem schulblock liegen habe. Das muss sich total albern anhören.
Ich habe schon öfter über eine Therapie nachgedacht, aber mich bis jetzt immer dagegen entschieden. Ich glaube nicht, dass es mir so schlecht geht, dass ich professionelle Hilfe brauche oder besser gesagt glaube ich, dass es genug Menschen gibt, die sie dringender benötigen und sie mehr Verdient haben. Und das nächste Problem ist, dass meine Mutter etwas davon merken würde und das will ich unter keinen Umständen.

Was ich falsch gemacht habe ist ganz klar. Ich habe angefangen mir weh zu tun. Damals bin in 13 gewesen. Jetzt ist es für mich unvorstellbar, wie ein 13 jähriges Mädchen so Was machen kann. Aber oft genug fühle ich mich genauso hilflos und unerfahren wie damals. Und ich glaube ich würde früher oder später wieder so handeln.
Damals hat eine Freundin aus meiner Klasse dir Striche an meinem arm gesehen. Anfangs hat sie mir noch ausreden geglaubt, aber irgendwann nicht mehr. Ich wusste ja, dass das nicht normal ist, dass das kein normaler, gesunder Mensch macht. Sie hat niemandem davon erzählt gehabt aber darauf bestanden das ich es noch jemand anderem erzähle. Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe es der Freundin erzählt, die jetzt bei der Bundeswehr ist. Begeistert war sie nicht. Sie war glaube sogar ziemlich sauer. Sie war vor allem aber auch sprachlos, weil sie nicht verstehen konnte, wie ich so Was dummes machen kann. Sie dachte ich wüsste es besser... Sie hat mich aber trotzdem akzeptiert. Das Mädchen aus meiner Klasse fing dann irgendwann an, an meinen armen zu schauen, ob es mehr Striche sind, irgendwann sogar an den Oberschenkeln. Sie hat es nur gut gemeint, aber ich habe es gehasst. Ich bin nämlich bis heute der Überzeugung, dass es am Ende meine Sache ist. Es ist mein Körper. Da muss niemand anderer irgendwas kontrollieren. Die andere Freundin hat das nie gemacht und sie macht es bis heute nicht. Sie vertraut darauf, dass ich ihr schreibe, wenn ich Mist gebaut habe und so mache ich es bis heute bei beiden Freundinnen. Keine von beiden wollte je sehen wie oft oder wie doll.
Jedenfalls haben andere aus meiner Klasse irgendwann angefangen zu sagen, dass sie nicht verstehen, wieso es Menschen gibt, die sich selber weh tun. Das solche Menschen ,,verrückt" sind. Ich wusste vorher schon, dass das nicht normal ist, aber ab dem Moment wusste ich, dass ich es nicht groß weiter sahen sollte. Wie sie heute dazu stehen weiß ich nicht. Ich habe auch gelernt die Striche zu verstecken, wenn ich welche habe. Das auffälligste daran wären wohl langärmelige Pullover im Sportunterricht, aber da achtet keiner wirklich drauf.

Ich weiß, das. Sie sind freiwillig mit mir befreundet, aber ich weiß auch, dass es mich kaputt machen würde, wenn einer der beiden oder mein Freund nicht mehr mit mir reden würden. Jedes mal, wenn ich mir weh tue und ihnen dann davon schreibe, habe ich Angst, dass sie sagen das sie mich nicht mehr haben wollen, weil ich verrückt bin, krank bin. Ganz ehrlich, ich würde es sogar irgendwo verstehen, aber es würde mich kaputt machen. Das würde mir das letzte bisschen Hoffnung nehmen.

Ich belasse es für heute erstmal dabei. Ich bin müde und ich möchte nicht noch anfangen zu weinen. Ich bin nämlich schon bei davor
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße Brokengirl

Hallo liebe Brokengirl,
ich hoffe, du konntest dich von der anstrengenden Fahrt erholen und bereits den Schulstress der letzten Wochen etwas abschütteln. Und ich hoffe natürlich, dass dir der Urlaub weiterhin gut gefällt und du dich mit der Zimmeraufteilung arrangieren konntest. |+¥

Das stimmt, die Nachricht deiner Freundin sagt viel über sie aus. Sie ist sicher ein ganz toller Mensch und ich kann gut nachvollziehen, warum du sie dir als Freundin ausgesucht hast. Übrigens finde ich nicht, dass es albern ist, etwas bei sich zu tragen, was einem viel bedeutet. 😉 Ich finde es sogar toll, dass du dir den Brief ausgedruckt und ihn quasi immer zur Hand hast, um ihn erneut zu lesen. Darf ich fragen, in welchen Momenten du ihn liest? Oder beruhigt dich schon das Wissen, dass du ihn bei dir hast?

Das mit der Therapie ist so eine Sache. Viele Menschen denken, dass es ihnen nicht schlecht genug geht, um diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch, woran misst man Leid? Kann man Leid überhaupt messen und vergleichen? Finde ich nicht. Leid ist etwas sehr individuelles, jeder Mensch geht entsprechend seiner Ressourcen anders mit Belastungen um. Und es gibt einfach Momente im Leben, in denen man allein nicht mehr weiterkommt. Da kann ein wohlwollender Blick von außen und eine helfende Hand sehr erleichternd und hilfreich sein. Da du schon das 16. Lebensjahr vollendet hast, muss deine Mutter auch nicht unbedingt erfahren, dass du eine Therapie in Anspruch nehmen möchtest/nimmst (ausgehend davon, dass du gesetzlich krankenversichert bist). Der Therapeut unterliegt der Schweigepflicht, die nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen gebrochen werden darf. Wenn du näheres darüber wissen möchtest, kannst du gerne Fragen stellen. |+¥

Ich denke nicht, dass du etwas falsch gemacht hast. Du schreibst, dass du hilflos und unerfahren warst. Es war damals dein Weg, mit der Anspannung, der Frustration und den Ängsten umzugehen, die dich auch heute noch belasten. Du wusstest dir nicht anders zu helfen und die Reaktionen deiner Umwelt haben die Ängste eher noch weiter geschürt. Heute hast du einen anderen Blick darauf und weißt dir auch anders zu helfen. Du bist dabei neue Wege zu gehen und Möglichkeiten kennen zu lernen, mit den Momenten der Anspannung und Angst umzugehen. Dabei stehen dir unter anderem zwei liebe und verständnisvolle Freundinnen zur Seite, die dich nicht kontrollieren, sondern tiefes Vertrauen in dich haben.

Versuchen wir es mal mit einem anderen Blickwinkel. Angenommen eine Freundin von dir würde auf dich zukommen und dir erzählen, dass es ihr nicht gut geht. Sie wäre ganz aufgelöst, sie würde dir von ihren Ängsten erzählen und sie würde dir beichten, dass sie sich selbst verletzt. Würdest du sie verstoßen, weil sie krank ist? Ist sie für dich dadurch als Freundin weniger wert? Was würdest du dieser Freundin sagen?

Zum Schluss habe ich noch eine Frage: Was war dein glücklichster Moment heute? 😉

Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntagabend.
Liebe Grüße,
Daniela

Hallo Daniela,
Ja ich komme so weit klar.

Ich lese den Brief oft, wenn ich mich einsam fühle oder es mal nicht so gut läuft oder ähnliches. Manchmal geht es mir dann ein bisschen besser aber leider nicht immer.

Ich glaube auch nicht das man leid messen kann, aber ich denke, dass es Menschen gibt, die bedeutend öfter als ich das Gefühl haben, dass ihnen alles zu viel wird. Wenn dann würde ich eine Therapie erst nach der Schule machen. Dann könnte keiner reden, wenn jemand etwas davon mitbekommt. Solange ich noch einigermaßen klar komme oder zumindest einen großen Teil er Zeit möchte ich das eigentlich vermeiden. Ich weiß nämlich nicht ob das was für mich wäre.
Und ich muss auch sagen, dass ich 2 super Freundinnen habe, die fast schon so was wie eine Therapie sind;) zumindest wenn ich denn dann mal den Mund aufbekomme.

Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich mir jetzt anders zu helfen weiß. In der Schule überspiele ich vieles einfach. Das habe ich aber schon immer gemacht, aber wenn es mir wirklich schlecht geht ist mein erster Gedanke mir weh zu tun. Es erscheint mir als die einfachste Variante. Auch wenn ich weiß, dass ich meinen Freundinnen jeder Zeit schreiben kann, wenn es mir schlecht geht, schreibe ich oft erst wenn es schon zu spät ist, weil ich in dem Moment wo es so dolle schlimm ist nicht darüber reden kann.
Es ist fast schon paradox. Wenn es mir einigermaßen gut geht verstehe ich nicht wieso ich immer denke, dass es der einzige Weg ist mir weh zu tun, damit ich mich besser fühle. Aber wenn es mir nicht gut geht, ist das mein erster Gedanke und der Drang ist unglaublich stark.

Ich würde sie nicht verstoßen, weil ich weiß, dass sie in dem Moment jemanden braucht, der einfach da ist und ihr hilft oder ihr beisteht. Sie hätte für mich auch nicht weniger wert. Auch wenn das auch paradox ist, weil ich selber der Meinung bin, dass ich als Mensch weniger wert bin, weil ich mir weh tue.
Aber das ist nicht der springende Punkt. Ich kenne auch die andere Seite. Ich weiß wie das ist, wenn man auf eine Reaktion wartet und gleichzeitig Angst vor ihr hat. Ich glaube, dass Menschen, die selber betroffen sind da einen anderen Blickwinkel drauf haben, als Menschen die damit mehr oder weniger das erste mal direkt konfrontiert werden. Vielleicht macht es noch einen Unterschied, wenn man sich schon mal mit der Thematik beschäftigt hat.

Weißt du, Daniela, mir geht ein Satz nicht aus dem Kopf, den meine banknachbarin am Mittwoch zu mir gesagt hat. Sie meinte, dass ich manchmal komisch oder so bin, weil ich in einem Moment so viel Zuversicht und Hoffnung ausstrahle, aber im nächsten Moment total negativ bin, weil ich nicht so ganz an das glaube, was ich gesagt habe. Ich wusste gar nicht so recht was ich ihr antworten soll. Ich meinte dann nur, dass ich halt eher pessimistisch bin und nicht unbedingt davon ausgehe, dass am Ende alles gut wird.

Was mich heute glücklich gemacht hat, ich glaube deine Nachricht. Einfach weil ich gelernt habe, dass Worte viel mehr bedeutend als andere Dinge und der Rest des Tages war ganz okay. Es war aber kein Moment dabei, indem ich wirklich glücklich gewesen bin.

Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und einen guten Start in die neue Woche.
Liebe Grüße Brokengirl